Theorie der Kaufkraftparität

 

Die Theorie der Kaufkraftparitäten drückt aus, dass die Wechselkurse zwischen zwei Währungen (Devisenpaar) deshalb Schwankungen unterliegen, weil der Markt versucht Niveauunterschiede beim Preis auszugleichen. Die grundlegende Annahme ist dabei, dass global ein Gut den gleichen Preis hat. Andernfalls existierien für Spekulanten Möglichkeiten zur Arbitrage. Nach der Kaufkraftparitätentheorie muss eine Geldeinheit in allen Ländern die gleiche Kaufkraft haben, sie muss überall den gleichen realen Wert besitzen.


Gesetz des einheitlichen Preises

Definition: "Identische Waren weisen weltweit einheitliche Preise auf, wenn keine Transaktionskosten, keine Handelsbarrieren und keine Wettbewerbsbeeinträchtigungen bestehen."

Dieses mikroökonomische Gesetz resultiert aus der Anwendung des Arbitrageprinzips auf Gütermärkte. Vorhandene Preisunterschiede werden eliminiert, indem Produzenten dort verkaufen, wo sie den höchsten Preis erzielen und Konsumenten dort kaufen, wo sie den geringsten Preis bezahlen.


Kaufkraftparitäten-Hypothese

Die Kaufkraftparitäten-Hypothese wird als makroökonomische Entsprechung zum Gesetz des einheitlichen Preises aufgefasst: "In einheitlicher Währung betrachtet stimmt der Wert eines inländischen und ausländischen Warenkorbs überein, dessen Zusammensetzung dem Bruttoinlandsprodukt der beiden Länder entspricht."

Dabei wird unterstellt, dass sich erstens die Zusammensetzung der Warenkörbe bzw. die Zusammensetzung des Bruttoinlandsprodukts in beiden Ländern ähnelt, und dass zweitens für alle Güter das Gesetz des einheitlichen Preises gilt.



Auswirkungen der Theorie zur Kaufkraftparität auf den Wechselkurs

 

Es wird davon ausgegangen, dass der Wechselkurs (kurz-, mittel- und langfristig) durch die nationalen Geldpolitiken beeinflusst wird.


Einfluss des Geldangebots
- Eine Ausweitung der inländischen Geldmenge führt zu einer Abwertung der heimischen Währung.
- Eine Ausweitung der ausländischen Geldmenge führt zu einer Aufwertung der heimischen Währung.


Einfluss der Zinsen

- Ein inflationsbedingter Anstieg der ausländischen Zinsen führt langfristig zu einer Senkung der ausländischen realen Geldnachfrage/ Liquiditätspräferenz und somit zu einer Aufwertung der heimischen Währung.
- Steigen die inländischen Zinsen, sinkt die reale inländische Geldnachfrage und damit wird die heimische Währung abgewertet.


Einfluss des Bruttoinlandsprodukts

- Ein Anstieg des inländischen BIP führt zu einem Anstieg der inländischen realen Geldnachfrage und damit zu einer Aufwertung der heimischen Währung.
- Nimmt das ausländische BIP zu, steigt die ausländische reale Geldnachfrage und somit wird die heimische Währung abgewertet.

 

Einschränkungen der These zur Kaufkraftparität

Versuche den zukünftigen Wechselkurs einer Währung mittels Prognosen zu schätzen, die anhand der Kaufkraftparitäten-Hypothese erstellt wurden, zeigen empirisch schlechte Ergebnisse. Es gibt langfristig (über Jahrzehnte) eine Tendenz zur Gültigkeit der Theorie, kurzfristig gibt es jedoch erhebliche Abweichungen.

Ursachen für die Abweichungen sind:

  • Existenz von Transaktionskosten
  • Probleme bei den Indexzahlen
    Unbestritten resultieren aus den unterschiedlichen Berechnungsmethoden der Preisindizes in den verschiedenen Ländern Indexzahlenprobleme. So unterscheiden sich z.B. die Zusammensetzungen der Warenkörbe der einzelnen Länder.
  • Irrelevanz des Gesetzes des einheitlichen Preises bei unvollkommenem Wettbewerb
  • Langsame Preisanpassungen
  • Irrelevanz des Gesetzes des einheitlichen Preises aufgrund nichthandelbarer Güter